Organisatorische Vorbereitung auf Geburt und Elternschaft

Hört man den Begriff „Geburtsvorbereitung“ haben die meisten schwangeren Frauen wahrscheinlich einen Geburtsvorbereitungskurs vor Augen, bei dem man die richtige Atmung, unterschiedliche Gebärpositionen und vieles mehr erlernt. 

Darüber hinaus gibt es neben dieser körperlichen (und mentalen) Vorbereitung auch die organisatorische. Die Zeit vor der Geburt, im Speziellen vor der Geburt des ersten Kindes, bietet sich einfach perfekt an, um in Ruhe die Dinge zu klären, für die du dann als Frisch-Mama kaum Zeit mehr haben wirst und haben willst, denn dein Fokus liegt dann vermutlich ganz gezielt und ganz allein auf deinem Baby. 

Empfehlungen für das erste Trimester

Sobald du deine Schwangerschaft durch einen Schwangerschaftstest zuhause festgestellt hast, vereinbarst du einen Termin für die erste Vorsorgeuntersuchung. Je nach deiner persönlichen Vorgeschichte (wenn du z.B. bereits eine Fehlgeburt, ein Windei oder Eileiterschwangerschaft hattest, wird dich dein Gynäkologe oder deine Gynäkologin i.d.R. schon zu einer frühen Schwangerschaftswoche, kurz SSW, untersuchen wollen) findet dieser Termin meist zwischen der 6. und 9. SSW statt. Bei diesem ersten Termin geht es darum, deine Schwangerschaft offiziell zu bestätigen. Wie bei jeder folgenden Vorsorgeuntersuchung werden Blutdruck, Urin, Hämoglobin, dein Gewicht und der Stand deiner Gebärmutter kontrolliert. In Deutschland wird bei diesem Termin meist auch der Mutterpass ausgestellt.

Wenn du ein geringes Einkommen hast und Hilfe und (finanzielle) Unterstützung in der Schwangerschaft brauchst, dann solltest du nach Feststellung der Schwangerschaft eine Schwangerschaftsberatungsstelle aufsuchen. Hier bekommst du alle Informationen zu wichtigen Anträgen und Beratung zu unterstützenden Möglichkeiten.

Die Begleitung durch eine Doula kann für dich interessant sein, vor allem wenn du ohne Partner/Partnerin gebären musst oder willst. Eine Doula begleitet dich während deiner Schwangerschaft und ist auch bei deiner Geburt an deiner Seite. Sie übernimmt vielfältige unterstützende Funktionen mit Ausnahme der medizinischen Untersuchungen. Eine Doula in deiner Nähe findest du am einfachsten über das Internet.

Und auch wenn es dir vorkommt, als ob die Geburt noch sehr weit entfernt liegt, ist es bereits jetzt sehr empfehlenswert, dass du dir eine Hebamme für die Betreuung nach der Geburt suchst – oder auch bereits für die Begleitung deiner Schwangerschaft. Denn was viele Schwangere nicht wissen ist: du kannst wählen, ob du deine Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder bei einer Hebamme durchführen lassen möchtest. Mit Ausnahme der Ultraschalluntersuchungen können Hebammen die regelmässigen Untersuchungen genau so durchführen wie ein Gynäkologe (inkl. Blutabnahme und Untersuchung des Urins). Und auch das ist gut zu wissen: es ist eine gemeinsame Vorsorge bei Frauenarzt und Hebamme möglich.

Deinem Arbeitgeber, deinem Ausbildungsbetrieb, deiner Universität oder deiner Schule musst du jetzt noch keine Information bzgl. deiner Schwangerschaft geben, dazu bist du zu keinem Zeitpunkt verpflichtet. Es kann aber in Einzelfällen sinnvoll sein, damit du und dein Baby vor Gefährdungen oder Gesundheitsschädigungen geschützt werden könnt. Besprich das am besten im ersten Schritt mit deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme oder wende dich an eine Schwangerschaftsberatungsstelle. 

Überlege dir zudem bereits jetzt, an welchem Ort du dein Baby auf die Welt bringen möchtest. Abgesehen von Krankenhaus/Spital ist in den meisten anderen Einrichtungen eine frühzeitige Anmeldung notwendig. Konkret bedeutet das: wenn du dich für eine Geburt im Geburtshaus, für eine Hausgeburt oder für die Geburt mit einer Beleghebamme entscheidest, solltest du dich jetzt über die entsprechenden Angebote informieren und dich dort schon sehr bald anmelden. Geburtshäuser und auch Kliniken bieten Informationsveranstaltungen an.

Empfehlungen für das zweite Trimester

Das zweite Trimester ist schnell erreicht. Jetzt ist es gut wenn du dir darüber Gedanken machst, welche Geburtsvorbereitung zu dir passt. Es gibt unterschiedliche Angebote, wie z.B. ein klassischer Geburtsvorbereitungskurs bei einer Hebamme oder ein HypnoBirthing-Kurs, bei dem es neben der körperlichen Vorbereitung auch um die mentale Vorbereitung geht. Entsprechende Anbieter findest du über dein Geburtshaus, deine Klinik, deinen Frauenarzt, deine Hebamme, die Schwangerschaftsberatungsstelle oder im Internet. Überlege dir, ob du den Kurs allein oder mit deinem Partner/deiner Partnerin besuchen möchtest. Mach dir Gedanken, ob du lieber einen wöchentlich stattfindenden Kurs oder einen Kompaktkurs besuchen möchtest.

Häufig werden von Kliniken, Geburtshäusern und Hebammen auch sogenannte „Säuglingspflegekurse“ angeboten, bei denen du bereits während deiner Schwangerschaft das Wichtigste zur Pflege deines Säuglings erfährst. 

Im zweiten Trimester ist es Zeit, deinem Arbeitgeber über deine Schwangerschaft zu informieren – falls noch nicht geschehen – und mit ihm über das weitere Vorgehen nach deiner Schwangerschaft zu sprechen. Wenn du in Deutschland arbeitest, solltest du dir jetzt Gedanken machen, wie lange du und/oder dein Partner Elternzeit nehmen möchtet und dies anschliessend mit deinem oder euren Arbeitgebern absprechen.

Empfehlungen für das dritte Trimester

Ihr seid im Endspurt – ein paar Dinge gibt es noch zu tun. Frühestens eine Woche vor Beginn der Mutterschutzfrist, dies betrifft dich, wenn du in Deutschland arbeitest, kannst du dein Mutterschaftsgeld beantragen. Dafür wendest du dich an deine Krankenkasse. Diese benötigt eine ärztliche Bescheinigung über den voraussichtlichen Geburtstermin. 

Spätestens jetzt im dritten Trimester muss die Elternzeit angemeldet werden. Diese Anmeldung muss schriftlich mit gegenseitiger Unterschrift erfolgen. 

Und da du nie wissen kannst, wann es mit deiner Geburt losgeht, empfiehlt es sich ca. 4 Wochen vor errechnetem Termin, deine Kliniktasche zu packen und griffbereit zu stellen.

Sorgerecht und Unterhalt bei nicht verheirateten Eltern

Wenn ihr als Eltern nicht verheiratet seid, gibt es einige wichtige Punkte, um die ihr euch rechtzeitig, am besten noch während der Schwangerschaft, kümmern solltet. Die folgenden Angaben gelten für Deutschland, sind aber auf weitere deutschsprachige Länder an vielen Stellen übertragbar.

  • Anerkennung der Vaterschaft: Im Sinne des Gesetzes ist bei nicht verheirateten Eltern derjenige der Vater der die Vaterschaft anerkennt, sofern die Mutter dieser Anerkennung zustimmt (Quelle: www.familienplanung.de, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Stand: 9.03.2020). Die Vaterschaft kann beim Jugend- oder Standesamt kostenlos anerkennt werden, ggf. muss eine Auslandsvertretung mit einbezogen werden.
  • Vereinbarung des gemeinsamen Sorgerechts durch Abgabe übereinstimmender Sorgeerklärungen: Diese Erklärung kann im Rahmen der Anerkennung der Vaterschaft oder zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt abgegeben werden. Dies ist beim Jugendamt kostenlos möglich.

Unterhalt bei nicht verheirateten und getrennt lebenden Eltern

  • Kindesunterhalt bei getrennt lebenden Eltern: Der Unterhalt für das Kind ist in der Regel von demjenigen Elternteil zu leisten, der das Kind nicht überwiegend betreut. Das Jugendamt ist hier der erste Ansprechpartner.
  • Antrag auf Unterhaltsvorschuss bei Alleinerziehenden, die keinen oder keinen regelmässigen Unterhalt für das Kind bekommen oder wenn die Vaterschaft ungeklärt ist: Beim Jugendamt kann ein Antrag auf Unterhaltsvorschuss gestellt werden. 
  • Betreuungsunterhalt: Nicht verheiratete Väter und Mütter, die das Kind betreuen, haben für mindestens drei Jahre nach der Geburt gegenüber dem anderen Elternteil Anspruch auf Betreuungsunterhalt. Ein Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin berät zum Betreuungsunterhalt, vor allem wenn es Unstimmigkeiten gibt.
  • Beantragung einer Beistandschaft für das Kind: Der Beistand ist eine Person, die das Kind neben dem Elternteil vertritt und die Eltern bei Fragen der Vaterschaftsfeststellung und bei der Regelung des Unterhalts berät. Für diese Unterstützung wende dich bitte an das Jugendamt.
  • Antrag auf Sorgerecht: Dies gilt für den Vater, wenn er das gemeinsame Sorgerecht auch ohne Zustimmung der Mutter möchte. Anlaufstelle ist dann das Familiengericht. 

Allgemein gilt für alle Situationen und Fälle, dass sowohl Jugendamt als auch kirchliche und gemeinnützige Organisationen Beratungen anbieten, um im Konfliktfall zur einvernehmlichen Lösungen zu gelangen.

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