Wie deine Atmung dir in deiner Geburt Kontrolle gibt.

Atmung Geburt

Sicher hast du schon davon gehört, dass die Atmung ein elementarer Bestandteil deiner Geburt sein wird. Es verwundert daher nicht, dass klassische Geburtsvorbereitungskurse auch schnell mal als „Hechel-Kurse“ belächelt werden. Dass aber gerade das Hecheln eine Form der Atmung ist, die in einer Geburt nichts zu suchen hat, darauf komme ich später zurück.

Atmung ist elementar für deine Geburt.

Um die Wirkung der Atmung für dein schönes Geburtserlebnis verstehen zu können, stelle ich dir zunächst die beiden involvierten Hauptdarsteller vor. Medizinisch betrachtet ist es ein komplexes System. Ich versuche mich daher an einer einfachen und dennoch korrekten Darstellung, denn der Fokus soll darauf liegen, dass du verstehst, weshalb die richtige Atmung für dich wichtig ist.

Unsere zwei Protagonisten sind:

  • Der Parasympathikus, der auch Ruhenerv oder Erholungsnerv genannt wird.
  • Der Sympathikus, der die nach aussen gerichtete Aktionsfähigkeit bei tatsächlicher oder gefühlter Belastung aktiviert. Er ist quasi derjenige, der deinem Körper die Anweisung für Angriff oder Flucht gibt.

Das vegetative Nervensystem arbeitet unwillentlich.

Beide sind Teile des vegetativen Nervensystems. Die meisten Organe werden von ihnen gesteuert und zwar, und das ist wichtig zu wissen, unwillentlich. Das bedeutet, der Mensch kann nicht mit seinem Willen entscheiden, ob sein Organismus gerade vom Parasympathikus oder vom Sympathikus gesteuert wird.

Aber auch wenn es allein mit dem Willen nicht gelingt, gibt es glücklicherweise eine Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen, welches System vorrangig agiert: und zwar mithilfe deiner Atmung. Und weil du für deine Geburt den Parasympathikus brauchst, also den Ruhenerv, machen wir uns die Atmung für deine Geburt zur besten Freundin.

Atmung von 6 Atemrhythmen pro Minute ist perfekt für deine Geburt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Atemrhythmus von 6 Atemrhythem pro Minute zu einer Zunahme der parasympathischen bzw. zu einer Ver­ringerung der sympathischen Akti­vität führt. Das bedeutet, dass sich Ruhe und Entspannung im Körper ausbreiten und die geburtsrelevanten Organe (allen voran die Gebärmutter) ihrer Arbeit nachgehen können.  

So aktivierst du den Parasympathikus.

Diese Atemfrequenz wird z.B. durch das Singen bestimm­ter Lieder, durch die Wiederholung des Rosenkranzes oder das repetitive Aufsagen der meisten Man­tren erreicht (In meiner Geburtsvorbereitung zeige ich dir, wie du diese „Entspannungsatmung“ auch ohne Mantra und Singen richtig machst.).

Sympathikus entscheidet über Angriff oder Flucht.

Den gegenteiligen Effekt kennst du wahrscheinlich auch und zwar aus (mündlichen) Prüfungen oder anderen psychologischen Belastungen. Diese Situationen führen zu schneller und unregelmässiger Atmung, was zu einer erhöhten sympathischen Reaktion führt. Was hier zunächst so „sympathisch“ klingt, ist alles andere als positiv: denn der Sympathikus bewirkt eine Leistungssteigerung des Organismus, er versetzt den Körper ein einen „fight-or-flight“-Modus, er bereitet ihn auf Angriff oder Flucht vor. Damit sowohl Angriff oder Flucht funktionieren, steigert der Sympathikus:

  • Herztätigkeit
  • Blutdruck
  • Durchblutung und Tonus der Herz- und Skelettmuskulatur
  • Stoffwechsel
  • Bereitstellung von Energie durch Abbau von Kohlenhydrate, die sogenannte Glykolyse

Für die Steigerung der gerade genannten Funktionen zahlst du einen hohen Preis, denn der sympathische Nerv hemmt all die Vorgänge, die nichts mit Flucht und Angriff zu tun haben. Dazu gehören u.a.:

  • Darmtätigkeit und Blasenfunktion
  • Lungenfunktion
  • Geschlechtsorgane

Der Sympathikus blockiert deinen Geburtsfortschritt.

Und damit sind wir bei der Gebärmutter angelangt, deren vorwärtsgerichtete Arbeit du dringend für deine Geburt benötigst. Keinesfalls darfst du also den Sympathikus das Steuer übernehmen lassen.

Der Parasympathikus ermöglicht die kontinuierliche Arbeit der Gebärmutter.

Mit der richtigen rhythmischen Atmung gelingt es dir, den Parasympathikus zu aktivieren, so dass die Durchblutung der Geschlechts- und Gebärorgane, also vor allem die deiner Gebärmutter, aufrecht erhalten bleibt. Denn während der Geburt ist Flucht das Letzte, was du tun solltest (auch wenn dir vielleicht das eine oder andere Mal währenddessen der Gedanke kommen mag). 

Die richtige Atmung erhöht Schmerztoleranz in der Geburt.

Und nicht nur das: es ist nachgewiesen, dass sich durch den Atemrhytmus von ca. 6 Atemrhythmen pro Minute die Toleranz für Schmerzen, Angst, Stress und Panik erhöht. Damit die Atmung ihre ganze Wirkung zeigen kann, beginnst du bereits bei Eintreten der ersten Wellen – also eventuell noch lange bevor die eigentlich Geburt stattfindet – mit der richtigen Atmung.

Übrigens ist das Hecheln eine Form der Hyperventilation – oft eine Folge, wenn der Sympathikus mal wieder zu sehr überhand nimmt, also in akuten Stress- und Angstsituationen. Aufgrund der schnellen und oberflächlichen Atmung kann es zu einer schlechten Kalziumversorgung im Organismus kommen, woraus häufig Muskelkrämpfe, Schwindel und Angstgefühl resultieren. Genau deshalb wird heute von dem früher empfohlenen Hecheln mittlerweile abgeraten, da Frauen durch diese Atmung hyperventilieren können.

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